Moderne Wundversorgung

Moderne Wundversorgung ist eigentlich schon recht alt.
Bereits in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts hat der ehemalige ärztliche Leiter der Dermatologie an der Uni-Klinik Schleswig-Holstein  Professor Christophers mit Okklusivverbänden gearbeitet. Das Prinzip dahinter ist einfach, denn unter dem Dach des Gewächshauses erwärmt sich die Umgebung stärker und Wärme führt zu besserer Aufnahmefähigkeit von Wirkstoffen durch die Haut. Gleichzeitig entsteht Feuchtigkeit und Feuchtigkeit verhindert Austrocknung, Verschorfung, Nekrosen, Wundvertiefung durch Zusammenziehen und Vernarbung. Der Verband läßt sich auch atraumatisch (auch schmerzfreier) wechseln.
Moderne Wundversorgung ist plakativ ausgedrückt nicht durchgehend Pflaster rauf, Pflaster runter. Es handelt sich vielmehr um eine phasengerechte und dementsprechend bisweilen auch kurzfristige produktwechselnde Therapie, entsprechend dem Verlauf der Abheilung.
Der Behandlungs-/Therapieverlauf muß dabei durch lückenlose, einheitliche, standardisierte und schriftliche Dokumentation nachvollziehbar sein, unterstützt durch aussagefähige Digitalphotographie.
Die Deutsche Gesellschaft für Wundforschung (dgfw) hat in den letzten gut 15 Jahren hier im wissenschaftlichen als auch praktischen Bereich enorme Arbeit geleistet. Seit einigen Jahren tritt vermehrt auch die Initiative Chronische Wunde verstärkt in der Basisarbeit auf.
Vor dem Hintergrund von über 3 Mio. chronischen Wunden, über 30 Tausend Majoramputationen (Amputationen von Gliedmaßen) pro Jahr und einer Volkskrankheit Diabetes mit all ihren Folgeschäden in Deutschland stehen die Krankenkassen, der Staat also wir alle vor einer enormen finanziellen Herausforderung. Die Kosten, welche diese o.g. Krankheitsbilder jedes Jahr bedingen können im Gegensatz zu konventioneller altvätersittiger Versorgung anerkanntermaßen enorm gesenkt werden. Dies hat Werner Sellmer in einer Studie unter anderem im August 2006 in der Fachzeitschrift Heilberufe aufgezeigt und wird von den Kostenträgern (Krankenkassen) nicht bestritten, schließlich geht es ja um Geld und dessen Einsparung.
Aber wie hat Dr. Dissemond in der Fachzeitschrift des dgfw  einmal angemerkt, daß es nämlich bei  der Behandlung von Wunden zu aller erst um Menschen geht. Diese Menschen, die zum Teil schon über etliche Jahre chronische Wunden haben haben primär Wünsche wie Schmerzfreiheit, Wundgeruchsfreiheit, Beweglichkeit einfach am Leben teilnehmen.
Eine Wundbehandlung ist primär der Umgang mit einem Menschen, was man genau so wenig vergessen sollte, wie daß am anderen Ende all der Beatmungsschläuche, Infusionen und Elektroden auf der Intensivstation ein Mensch ist, so individuell und einmalig wie kein weiterer auf der Erde.
Es geht hier nicht um Gefühlsduseligkeit.
Es geht darum, daß man hübsche, teure, aufwendige und sonst wie Seminare auf Kosten vielleicht auch noch irgend welcher Anbieter besuchen kann und sämtliche Produkte dieser Firmen auch aufsagen kann, aber dennoch kein Verständnis von der Materie Mensch hinter dieser Wunde hat ohne die es keine Linderung, Heilung oder Erfolg gibt.
Qualität ist mehr als auswendiges Aufsagen von Standards, es ist wie Juliane Juchli den Pflegeprofi als über den Bauch empfindenden und intuitiv kognitiv handelnden beschrieben hat.
Faktische Grundlage hierfür ist die fundierte Kenntnis von Anatomie und Physiologie des Menschen, gute und gründliche Anamnese und Diagnostik, grundlegende Kenntnisse in der Bio-Chemie und letztendlich eine interdisziplinäre multifunktionale Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten mit dem Betroffenen als Mittelpunkt und Hauptperson.
Eine stagnierende Wundheilung bedarf einer erneuten differenzierten Diagnostik.
Es geht nicht um schnelle kurzfristige Prestigeerfolge.
Aus diesem Grunde ist jetzt endlich in Kiel ein Wundnetz gegründet.
Ziel muß es sein, daß wir durch solche Verhaltens- und Arbeitsweisen eine bessere Behandlung  erzielen und somit kostengünstiger mit dem Geld der Versicherten arbeiten.
Im Grunde ist es ganz einfach, man muß nur lernen, lernen und verstehen.
Bis jetzt wird nicht Qualität bezahlt, es wird Pfusch mit Pfusch (Peanuts) bezahlt.
Es darf nur noch Qualität bezahlt werden, weil sie verlangt und erbracht werden kann.

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