Pflegeantrag/PflegeGutachten/MDK

Pflegeantrag/PflegeGutachten/MDK

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts brachte ein österreichischer Liedermacher ein Lied heraus in dem es hieß: … a jeda hoat a Handicap, an jedn goat was ab…

Das heißt aber nicht, daß „a jeda“ auch eine Pflegestufe haben kann.

Um in den Genuß (!) der Pflegeversicherung bzw. deren Leistungen zu kommen muß ein Antrag gestellt werden. Entweder formlos bei der Kranken-/Pflegekasse direkt, oder während eines Krankenhausaufenthaltes in Form eines Eilantrages durch das Krankenhaus. Bei Entlassung aus dem Krankenhaus liegt dann bei positivem Bescheid eine vorläufige Pflegestufe vor.

Die Pflegeversicherung gibt diesen Antrag an den MDK (medizinischer Dienst der Krankenkassen) weiter und informiert den Versicherten darüber.

Der MDK ist eine Körperschaft ähnlich der GEZ (Gebühreneinzugszentrale). Er fungiert als Vermittler (bzw. Übersetzern / Kontrolleuren) zwischen den GKVn (gesetzliche Krankenversicherungen) und anderen, wie Ärzten, Pflegediensten und Versicherten.

Der MDK arbeitet in Auftrag und in Vergütung der GKV.

Zu den weiteren Aufgaben und Zielen des MDK wird auf die Website des MDK verwiesen.

Laut Gesetz soll zwischen dem Datum der Antragstellung und der Entscheidung der Pflegeversicherung über eine Pflegestufe nicht mehr als 5 Wochen vergehen. Bei Bewilligung einer Pflegestufe bzw. Höherstufung gilt das Datum der Antragstellung als Beginn der Abrechnungsfähigkeit.

Der/Die Mitarbeiter/in vom MDK bringt bei seinem Besuch zur Erfassung der Hilfebedürftigkeit in der dauerhaften Umgebung das an Informationen mit, was die KV an Unterlagen hat, z.T. aufgrund der Erlaubnis durch den Versicherten bei der Antragstellung. Es lohnt sich immer ein so genanntes Pflegetagebuch in der Zeit davor angelegt zu haben, in dem auch nicht aus falsch verstandener Scham Dinge unterschlagen werden. Der MDK steht nämlich vor dem Problem innerhalb einer zeitlich sehr begrenzten Zeit sich ein umfassendes Bild von dem Antragsteller und seines Hilfebedarfes zu machen.

Entscheidend sind 3 Bereiche

  • Einschränkungen im Bereich des Skeletts und der Muskeln, sprich Fähigkeit zum Halsketten- und Schürzengriff, als auch mit den Händen mindestens im Sitzen an die Füße zu kommen. Es geht also um Waschen, Kleiden, Bewegen

  • Fähigkeiten bzw. Einschränkungen im Bereich der Ernährung und Verdauung. Liegt eine Inkontinenz vor, sprich werden Vorlagen benötigt, kann die betroffene Person ausreichend Nahrung und Flüssigkeit zu sich nehmen.

  • Störungen im Bereich der Sinnesorgane; es geht also um Fragen des Sehens, Hörens, Sprechens, Gleichgewicht, Sicherheit für sich selbst

Die Fragen werden mittels Fragekatalog abgearbeitet.

Hinter jedem Problem, welches Hilfe zur Bewältigung verlangt steht ein Zeitkorridor, welcher durch Pflegehilfsmittel verringert oder durch verstärkende Probleme auch vergrößert werden kann.

Am Ende steht ein errechnetes Zeitmittel, aufgrund dessen der MDK seine Empfehlung abgibt.

Die Entscheidung fällt die Pflegekasse.

Für die Erteilung einer Pflegestufe I müssen im Durchschnitt mindestens 45 Minuten direkter Hilfe bei den oben genannten 3 Bereichen zusammenkommen. Hierbei ist bitte noch einmal daran zu denken, daß die Zeit die Sie z.B. für einen Toilettengang gerechnet haben, mit Wegstrecke bei Gehbinderung, Hilfe beim Lösen der Bekleidung, Helfen beim Setzen auf die Toilette, Zeit zur Verrichtung, Hilfe bei der Nachsorge, dem Richten der Kleidung und dem Rückweg, nicht der Zeitrechnung nach dem Katalog beim MDK entspricht. Allein schon während man auf der Toilette sitzt braucht man doch keine Hilfe, da kann doch bequem die Waschmaschine be- oder entladen werden, oder ein Plausch mit dem Nachbarn geführt werden.

Wie gesagt es geht um Menschen, aber ein Katalog spricht eher eine technische Sprache, da halten wir uns doch an die Checkliste bei der Autoinspektion.

Ist der Antragsteller mit dem Urteil der Pflegekasse nicht einverstanden, so kann er innerhalb von 28 Tagen Widerspruch einlegen. Dieser muß begründet werden und bei einer möglichen Nachbegutachtung wird auch nur auf die Punkte eingegangen, gegen die Widerspruch eingelegt worden ist.

Ein Mensch mit einer Pflegestufe I ist erheblich pflegebedürftig, also nicht einfach nur pflegebedürftig. Die Pflegestufe II setzt eine schwere Pflegebedürftigkeit voraus und für die Stufe III, nein man muß den Kopf noch nicht unter dem Arm tragen oder tot sein, man ist dann einfach nur schwerstpflegebedürftig.

Leider haben die Menschen, wenn es um Norbert Blüm geht, nur den einen Satz im Kopf: „Die Rente iss’ siescher.

Aber auch er sagte schon, daß es sich nur um eine Teilkaskoversicherung handelt, wie auch die ehem. Gesundheitsministerin Frau Ulla Schmidt anläßlich der Reform der Pflegeversicherung in 2008. Dies steht ganz klar unter dem Motto der Bundeskanzlerin Frau Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung 2005: Wir wollen mehr Freiheit wagen.

Es geht um die Freiheit vom Staat, also um Eigenverantwortung oder wie sagte Norbert Blüm anläßlich der Einführung der Pflegeversicherung und keiner hat ihm zugehört: Wir geben der Gesellschaft etwas zurück.

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